Vergleich eines Neuen ELISA für Milch Amyloid A mit somatischer Zellzahl, Schalmtest und bakterieller Kultur

Hintergrund

Die Diagnosestellung einer Mastitis bei Kühen beruht aktuell auf den folgenden drei Stützpfeilern:

  1. California Mastitis Test (CMT): als Screeningtest bei Kühen im Stall
  2. Somatic Cell Counter (SCC): Maschinelle somatische Zellzahlbestimmung anhand einer Milchprobe im Labor
  3. Kulturell-bakteriologische Untersuchung (BC): Zur Erregeridentifikation und anschliessende gezielte antimikrobielle Therapie.

Vergleicht man die Resultate der BC mit denjenigen des SCC oder dem CMT, so findet man in einigen Fällen keine Korrelation zwischen Zellzahl und Grad des bakteriellen Befalls des Euters. Es gibt also Mastitiden, bei denen die somatische Zellzahl stark ansteigt obwohl kein oder kaum ein bakterieller Befall des Euters vorliegt und umgekehrt. Verliesse man sich bei der Diagnostik alleinig auf die Zellzahl, würden viele bakteriell sterile Euter antibiotisch therapiert und viele infizierte Euter nicht adäquat behandelt. Die diagnostische und analytische Sensitivität und Spezifität der SCC ist in der Mastitis-Diagnostik also relativ gering. Doch auch die BC, der momentane Goldstandard in der Mastitis-Diagnostik, bringt negative Aspekte mit sich, wovon hier einige wenige genannt werden sollen:

  1. Das Resultat liegt erst nach 48 Stunden vor,
  2. Die Untersuchung ist aufwändig,
  3. Eine BC ist teilweise kostenintensiv

Aus diesen und weiteren Gründen besteht bis heute der Wunsch nach einem neuen, diagnostisch und analytisch sensitiveren und spezifischeren Mastitis-Screeningtest als die somatische Zellzahlbestimmung. In den letzten Jahren haben sich mehrere Forschungsgruppen bereits intensiv mit einer neuen diagnostischen Screeningmethode befasst, die die SCC ablösen könnte. Sie richteten Ihr Augenmerk neu auf die Messung der Akutphasenproteine, vor allem des Amyloid A und des Haptoglobins (HPG) in der Milch anstatt sich bloss auf die rein quantitative Zellzahlbestimmung oder den CMT zu verlassen

Hypothesen

Es wird erwartet, dass sich die Messung des Milch Amyloid A als besserer Prädiktor für eine intramammäre Infektion erweist als die somatische Zellzählung. Sowohl die diagnostische und analytische Sensitivität wie auch Spezifität des MAA-ELISA wird höher erwartet als diejenige der SCC bei Verwendung der kulturell-bakteriologischen Kontroll-Untersuchung als Goldstandard. Die Konzentration des MAA in unterliegt keinen so gravierenden Schwankungen wie die somatische Zellzahl, weshalb die Bestimmung von Akutphasenproteinen in der Milch ein besserer Marker zur Mastitisdiagnostik (klinisch und subklinisch) darstellt als die somatische Zellzahl.

Ziel

Ziel dieser Arbeit ist es, die analytische Sensitivität und Spezifität des MAA- Sandwich- ELISA im Vergleich zu den etablierten Diagnosemethoden CMT und SSC sowie zum BC- Refernzstandard zu bestimmen. Dazu wird von allen gesammelten Milchproben unter standardisierten Bedingungen die somatische Zellzahl bestimmt, eine kulturell-bakteriologische Untersuchung durchgeführt und die Konzentration von MAA bestimmt. Sollte sich herausstellen, dass die MAA Methode die postulierte diagnostische Verbesserung bringt, könnte Mittelfristig empfohlen werden, dass in grösseren Nutztierpraxen statt der somatischen Zellzahl die MAA-Konzentration gemessen wird um die Gesundheit des Euterparenchyms zu beurteilen. Die Durchführung von ELISA Tests in Praxislabors hat sich in den letzten Jahren auch mit anderen verfügbaren Diagnose-Testkits etabliert und stellt kein methodisches Hindernis für die Routine dar (Z.B. FeLV-Schnelltest für die Katze). Zudem wäre es gegebenenfalls erstrebenswert, wenn Milchhändler und Käsereien zur Qualitätsbeurteilung der Milch die MAA-Konzentration bestimmen würden, anstatt der somatischen Zellzahl.